schon wieder ein neues jahr. und: - wie immer master of timing - bin ich mal wieder krank. die letzten tage habe ich nur im bett verbracht. bis auf einen relativ kurzen ausflug, um auf das neue jahr hier anzustossen.
eigentlich wäre es ja nun mal wieder zeit auf das alte jahr zurück und auf das neue jahr hin zu blicken. das vergangene jahr war ja nun wirklich nicht langweilig, auch wenn die veränderungen von meinem umfeld als viel gravierender, mutiger und beeindruckender wahrgenommen wurden, als sie es für mich waren. Nun lebe ich am anderen ende der welt und erfahre wie es ist ausländerin zu sein.
Und häufig ist es hart. Vor allem wenn alles was man beruflich gemacht hat auf die eigene sprache fixiert ist. Wenn man sich - unter anderem - darüber definiert hat, ob man witzig, intellektuelle dinge von sich gibt usw. Wenn man sonst immer sehr viel wert darauf gelegt hat sich, grammatikalisch und auch sonst gut auszudrücken.
Wenn man dann alles neu lernen muss. Dass eine fremdsprache einem nicht einfach zufliegt. Dass zwischen, eine sprache einigermassen flüssig sprechen und sich in der sprache zu hause fühlen jahre liegen. Klar, hat man bei manchen menschen hier auch den exoten-bonus. Man kommt irgendwo anders her und einen witzigen akzent. Und dennoch: was würde ich dafür geben, mich auch in dieser sprache perfekt ausdrücken zu können. Ohne nachdenken, um dann manchmal nur einen verqueren satz hervorzustoßen, dessen unzulänglichkeiten mir im moment des ausstoßens schon bewusst sind.
Dennoch ist es faszinierend, wie schnell alles irgendwie normal wird. Das land, die stadt, mein job, das rumhängen hier. Natürlich verstehe ich immer noch nicht alles und dennoch weiss ich wahrscheinlich jetzt schon so viel über neuseeländische politik wie 50 prozent der bevölkerung hier. Dennoch fühle ich mich oft so sprachlos. aber meist eher mit leuten die formell eher weniger gebildet sind. es sind auch die, die manchmal probleme mit meinem englisch haben, das wohl eine mischung aus verschiedensten akzenten mit deutschem einfluss ist.
übrigens: englische akzente, die ich besonders nett/witzig/sexy finde kommen alle aus dem königreich. queens english ist entzückend, manchester-english hat durchaus auch was und über schottisch (ist
Billy Conolly nicht entzückend) freu ich mich immer wieder.
Neuseeländisch finde ich hingegen manchmal reizend, manchmal eher komisch und manchmal auch nicht einfach zu verstehen. angewöhnen will ich mir den akzent nicht. nur weils nett ist in dresden zu leben, will der expat an sich ja auch nicht sächsisch lernen. vielliecht sollte ich versuchen, mir einen schottischen akzent anzugewöhnen. das wäre dann besonders exotisch.
aber nun zum jahresausblick. ich habe meine jungen freundinnen gestern getroffen und beide hatten einen hut voll mit dingen, die sie sich für 2007 vorgenommen haben. alles alberne dinge im grunde. und ich habe keinen einzigen vorsatz für das neue jahr. vielleicht wäre es sowas wie: einen job finden, den ich mag. an einem ort auf der welt, den ich mag. vielleicht irgendwas finden, wo ich verweilen will. aber wem helfen schon unrealistische wünsche und ich habe ja noch jede menge zeit dafür.
eigentlich mag ich ja die aussichten dieses jahres: ich habe keine ahnung wo ich die nächsten zwölf monate verbringen werde, wohin es mich verschlagen wird und was ich tun werde. ich mag das. und am ende des tages, des jahres oder wann auch immer werde ich wohl ich sein. wo auch immer.