die zeit vergeht und ich sitze hier mit einem zugegeben ziemlich eckligem glas wein. und natürlich kann ich quasi immer weiter das spiel spielen, mich von jobs und nicht-jobs und all dem weiter treiben zu lassen. aber je näher der zeitpunkt kommt, an dem von der anderen seite eine entscheidung fällt, ob ich tatsächlich hier bleiben könnte, desto mehr denke ich darüber nach, ob ich das überhaupt will.
denn städte nutzen sich in meiner wahrnehmung mit der zeit ab. ich weiß noch, wie mich das laufen über die warschauer brücke und der blick auf den fernsehturm einfach nur glücklich gemacht hat. unabängig davon wie der rest meines lebens war. dieser blick versprach etwas. genau so glücklich hat es mich gemacht, einmal die cuba street hier in wellington durchzulaufen. die verschiedensten menschen, ethnisch, kulturell und sonst wie. eine irgendwie allem immanente gelassenheit. und genauso wie es in berlin mehr oder weniger irgendwann nur noch der weg zur arbeit war ist das hier genauso. der zauber des neuem, der mir ein sofortiges und beständiges grinsen im gesicht beschert hat, lässt irgendwann nach.
und ich weiß, dass wenn ich jetzt nach berlin kommen würde, wär er wieder da. wahrscheinlich weil das bild nicht mehr alltäglich ist. nach einer gewissen zeit, wenn die erste verliebtheit mit einem ort verflogen ist, braucht es wohl andere dinge.
und dann ist es wieder zeit, darüber nachzudenken, was denn die dinge sind, die für einen selbst zu dem jeweiligen zeitpunkt am wichtigsten sind. job, stadt und ihre möglichkeiten, freunde und bekannte. was auch immer.
und ich denke, neben vielen anderen dingen, definiere ich mich durchaus ein wenig über meinen job. habe ich doch im grunde das privileg einen job zu haben (und mehr oder weniger gelernt zu haben) der mich glücklich macht. und den vermisse ich. auch wenn das was ich jetzt mache nicht ganz uncool ist und auch irgendwie spass macht.
aber wenn ich jetzt sofort, in dieser sekunde, entscheiden müßte, würde ich mich wohl für acht monate mit den weltbesten kollegen im nahen osten entscheiden. und wenn dieses gefühl noch ne woche anhält, dann werde ich sicher irgendwann traurig sein, diesen ort zu verlassen, aber dennoch zufrieden gehen.
der kniffelige punkt ist und bleibt. das ziel des unternehmens neuseeland war (und ist) zu lernen, sich in einer anderen sprache zu hause zu fühlen, in ihr schreiben und leben zu können. und was ich bis jetzt weiß ist, dass das unheimlich lange dauert, für son sprach-dingens wie ich es bin.
und nun gibt es nunmal die zwei alternativen 1) ich habe diese eine sprache in der ich mich wohl fühle und ich will dahin zurück wo ich in ihr, mit ihr arbeiten kann. 2) ich kann noch nicht nach hause, weil ich noch in der andern sprache nicht arbeiten kann.
nun ja. und am ende wird das sein wie im restaurant. ich mag speisekarten. ich kann viel zeit damit verbringen sie zu lesen und mir jedes gericht vorzustellen. und dann sind meist immer noch zwei, drei übrig, die ich alle gerne hätte und nicht weiß, wie zur hölle ich mich denn nun entscheiden soll. und wenn dann die bedienung kommt rufe ich irgendwas. und meist ist das dann ziemlich seltsam und was ganz neues.